Home
Über uns
Fuhrpark
Aus der Werkstatt
Fotos/Story`s
Archiv
Links
Community
News
Jahresrückblick
Impressum
e-mail


Volker`s Benelli 750 Sei


Pünktlich nach den 20:00 Uhr Nachrichten klingelte irgendwann im Frühjahr 2009 das Telefon. Am anderen Ende der Leitung fragte eine traurige Stimme, ob ich ein paar Tips hätte, einer Benelli 750 Sei wieder auf die Sprüge zu helfen. Das geliebte Teil liefe nur noch auf 5 Zylindern, rauche was das Zeug hält, säuft so an die 11 Liter auf 100 km und die Leistung wäre auch weg, so irgendwie. Interessant ist zu erwähnen, dass die Benni vor der Überwinterung recht gut funktionierte.
Kurzum, meine Tips wahren wohl nicht sehr hilfreich. So kam die 750 Sei zur Kur an den Bodensee. Und weil unsere Bude sowieso mal wieder voll war, und meine Person solche Schönheiten nicht mehr gerne rausrückt, dauerte der Aufenthalt etwas länger. Genauer, bis zu dem Tag, den Volker als absolutes Ultimatum setzte.


Wie üblich wurde zur ersten Fehleranalyse eine kurze Probefahrt vorgenommen. Schnell wurde klar, dass die Benni viel zu fett abgestimmt ist. Als erster Schritt wurde die Vergaserbatterie ausgebaut, komplett zerlegt und mit Ultraschall gereinigt. Weiter stellte sich beim Vermessen sämtlicher Düsen heraus, dass sowohl die Leerlauf als auch die Hauptdüsen ein paar Nummern zu gross sind. Wieder einmal mehr der typische Fall. Vermutlich war das Motorrad einige Zeit stillgelegt. Bei der Wiederbelebung wurden dann die Düsen mechanich mit grobem Material gereinigt. Die Querschnitte der Hauptdüsen lagen irgendwo zwischen #115 und #135. Bei den Leerlaufdüsen sah es nicht viel besser aus.


Mit den richtigen Düsen bestückt, durfte die Vergaserbatterie nach dem Zusammenbau und durchgeführter Grundeinstellung wieder an ihren Bestimmungsort.

Viele fürchten sich vor der Zündanlage der Sei. Mit drei Unterbrecher-Kontakten, welche korrekt eingestellt und aufeinander abgestimmt werden müssen, fühlen sich die meisten Hobbyschrauber total überfordert. Ganz ehrlich, so schwierig ist das nicht. Mit etwas Geduld und systematischem vorgehen, sind diese Einstellungsarbeiten recht einfach durchzuführen. Sind mit der Fühlerlehre die Abstände aller drei U-Kontakte richtig eingstellt, kann der Zündzeitpunkt mit einer ganz normalen Prüflampe statisch voreingestellt werden. Mit Schliesswinkeltester und Stroboskoplampe wird das ganze dynamisch getestet und nachjustiert. Auf die korrekte Funktion des Fliekraftstellers ist zu achten.
Exakte Elekrodenabstände der Zündkerzen, laut Handbuch des Herstellers eingestellt, sollten selbstverständlich sein.


Gammelige Kerzenstecker und Zündkabel sind oft ein weiteres Problem. Falls notwendig können die Zündkabel etwas gekürzt werden um eine sichere Verbindung zwischen Stecker und Kabel herzustellen.
Das Einstellen des Ventilspiels ist kein wirklicher Akt. Es sind ja nur 12 Stück. Ein moderner Vierer hat bereits 16, die Honda CBX 1000 prahlt mit 24! Dann wäre da noch die Honda NR 750 mit Ovalkolben und 8 Ventilen pro Zylinder. Also liebe Sei Fahrer, jammert nicht über`s Ventile einstellen.
Zum Schluss wurde noch die Vergaserbatterie synchronisiert und die CO-Schrauben der einzelnen Vergaser in die richtigen Positionen gebracht.

Die anschliessende, ausgiebige Probefahrt bestätigte eine saubere Arbeit. Die Emotionen dieses Sixpacks, sind nur schwer zu beschreiben. Eine Benelli ist nie ganz Perfekt. Mal geht der Anlasser nicht, diesmal war es nur ein loses Kabel. Ein anderes mal wollte sie, im warmen Zustand, nur mit Hilfe des Choke die Arbeit wieder aufnehmen. Dass es ausgerechnet im Feierabendverkehr im Kreisel passieren musste war blöd, aber meine Schuld. Nach einer Kennenlern-Phase ist der Spass dann grenzenlos. Super Bremsen, tolles Fahrwerk, irrer Sound, mit dem Volumen eines Orchesters. Ein Motorrad mit Charakter, welches Fahrer, Besitzer und Schrauber herausfordert und schlussendlich, durch einen hohen Spassfaktor, um ein vielfaches entschädigt. Eine feurige Italienerin wünscht gebändigt zu werden :-)).

Zurück