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Prägende Sekunden, der Beginn einer Leidenschaft!
Der Lebensweg wird, in den meisten Fällen, schon früh in unserer Kindheit oder Jugend durch ein besonderes Erlebnis, positiv oder negativ geprägt. Ob die Entwicklung in diesem speziellen Fall positiv oder negativ war, dürfen meine Mitmenschen beurteilen.
Ende der siebziger fühlten wir uns mit unseren, bis ans Limit der Haltbarkeit, frisierten Mofas als Könige der Strassen. Fast keine Woche verging ohne von einem Kollegen genötigt zu werden, etwas zu unternehmen, damit die Karre wieder ein wenig schneller wurde. Das Fernsehegucken beschränkte sich in der damaligen Zeit auf zwei oder drei Kanäle und so war genügend Zeit vorhanden sich damit zu beschäftigen, die vom Gesetzgeber vorgeschriebene, Höchstgeschwindigkeit um ein vielfaches zu überbieten. Eine tolle, Zeit war das! Finger zeigen bringt jetzt nichts , ist sowieso verjährt.
Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich an einen herrlichen Sommertag. Nein, an solchen Tagen hatten Schulaufgaben keine Priorität. Die grüne Herkules M5 mit gold lackierten Gussrädern, 12er Bing Vergaser, M3 Zylinder samt Krümmer, klapperte lautstark mit Höchstgeschwindigkeit und mir die Landstrasse entlang. Schon damals auf der Suche nach der schnellen Linie, passierte es in einer Linkskurve. Ein rot-weisses Motorrad knallte in dieser Ecke an mir vorbei, dass ich vor Schreck fast abflog. Das Ding war nicht nur sauschnell, nein es war auch mindestens genauso laut. Und diese exakte, sauber gefahrene Linie. Wie mit Zirkel und Lineal gezogen dirigierte der Fahrer Souverän das Bike auf dem Mittlestrich auf der kurzen Gerade zur kommenden Rechtskurve. Dieser Erlebnis dauerte höchstens fünf Sekunden. Sekunden, die mein Leben veränderten. Mir wurde klar, ja genau das ist es was ich brauch und will.
Falls es jemand interessieren sollte, es war Ducati Lothar mit seiner damaligen Egli Kawa. Der einzigste Ausreisser aus seiner Ducati und Aermacchi Leidenschaft. Die Kawa Egli wurde dann auch bald wieder verkauft.

Dann, mit 18, den 1er endlich in der Tasche, wurde so viel als möglich ausprobiert. Nicht nur in Sachen Frauen, nein diese Geschichte bezieht sich ausschliesslich auf Motorräder. Es kamen Soft-Chopper, Sportler, Renner und auch das ein oder andere Tourenmotorrad. Meine Ausbildung kam mir da sehr entgegen. Es war schon ein erhabenes Gefühl immer das Neueste, zumindest von Honda oder Benelli, durch Probefahrten anzutesten. Von den eigenen Motorrädern aus dieser Zeit wurden viele wieder verkauft, viele sind geblieben. Einige davon warten auf ihre Wiederbelebung, manche werden ab und an bewegt. Ein Teil davon ist mittlerweile neu aufgebaut,ein anderer Teil wurde seit dem Erwerb gepflegt und erhalten.
Eines der absoluten Lieblingsmotorräder war die Honda VFR 750 F. Nach dem bestandenen Meisterbrief gönnte ich mir 1992 meinen damaligen Traum. Zigtausend km waren wir damit unterwegs. Oma passte auf die Kinder auf, Mama und Papa fackelten genüsslich Benzin ab. Italien, Frankreich, die Alpen, der Schwarzwald, kurz überall dort, wo kurvenräubern angesagt war. Mit Zelt und Schlafsack gerüstet waren wir glücklich. Ala Sozia konnte ich Isabella nie gewinnen. Auf ihrer XBR 500 verlor ich sie nur äusserest selten aus dem Rückspiegel. Ein wirklich schnelles Mädel, in einer tollen Zeit. Die VFR wurde schliesslich von einer VTR 1000 F abgelöst, die Honda XBR 500 S blieb.
Diese wurde 1990 neu gekauft. Der kernige Eintopf bringt immer noch denselben Spass wie damals. Ein sauberer und runder Fahrstiel vorausgesetzt, wird gräubert was das Zeug hält. Das mitleidige Lächeln, zu Beginn einer gemeinsamen Ausfahrt, ändert sich nach den ersten Kurvenkombinationen im schönen Donautal, in Aussagen wie:"warum fahr ich eigentlich ne Tausender"!!
Zugegeben, oft ist es schon anstrengend mitzuhalten. Nicht selten befindet sich dann das Ganze am Limit von Mensch und Material. Für wirklich flotte Ausflüge wird dann doch die Honda VTR 1000 F bevorzugt. Genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten und über die Jahre hinweg, mit großem Zeitaufwand und viel Liebe optimiert, ist die Honda, durch meine Augen gesehen, ein Gourmet-Häppchen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei diesem Motorrad einfach perfekt.
Seit Oktober 2009 teilt sich die gelbe Vau zwei ihre Unterkunft mit einem Neuzugang. Ebenfalls zwei Zylinder, allerdings in Reihe, metallisch grün mit einem wunderschön und handwerklich sauber verschweissten Gitterrohrrahmen. Mit ihren 83 PS hört die Schöne auf den Namen TRX 850, gebaut wurde sie von Yamaha. Von der MO zur Perle gekürt, schliesst die Yammi die Lücke zwischen der XBR 500 S und VTR 1000 F. Zudem bringt sie tierischen Spass auf der Rennstrecke.
Eine Honda Bol d`Or passt halt in die Sammlung. War gut und günstig zu haben, ist im Wert steigend und ab und zu sorgt sie für eine gehörige Portion Adrenalin. Ausserdem ideal für Fahrten zu zweit.
Die Benelli 900 Sei hat einen emotionalen Hintergrund. Erstbesitzer war der Chef von meinem damaligen Ausbildungsbetrieb. Für einen absoluten Freunschaftspreis, überlies er mir die Benni mit gerade mal 6000 km auf der Uhr. Frisch verheiratet, gerade Papa geworden und chronisch Pleite, durfte ich die Summe für die Italienerin abstottern. "Gib mir einfach das Geld wie du's hast". Tja, so einen Chef hab ich bisher auch nie wieder gefunden. Nach mehrjährigem, über die Sommermonate, täglichem Einsatz wurde die Sei 1993 komplett neu aufgebaut. Für bestimmte Anlässe ein weiteres Gourmet-Häppchen. Hin und wieder darf die Hübsche die Luft einer Rennstrecke atmen. Es geht uns dann nicht um Pokale und richtige Rennen sind es auch nicht. Einfach nur der Genuss von etwas ganz besonderem. Für solche Einsätze wird der silbernen Diva die Lima abgebaut, das Luftfiltergehäuse weicht offenen Ansaugtrichtern, die originale Auspuffanlage wird durch eine sechs in eins ersetzt.
Mitte der 90iger kam eine weitere Leidenschaft. Angestiftet durch Kollegen, musste etwas für`s Gelände her. Ein Freund schleppte eine alte Puch 250 GS an. Mit Strassenzulassung und dem verbauten Rotax Drehschieber-Motor, war es Liebe auf den ersten Blick. Kiesgruben, richtige Crossstrecken in Italien, Äcker und Waldwege, wurden fortan mit anderen Augen gesehen. Andere Crosser kamen und gingen, die Puch blieb. Als Erinnerung an diese Zeit wird unsere Honda XL 500 R gehegt und gepflegt. Harter Geländeeinsatz bleibt ihr allerdings erspart. Die XL ist eine treue Begleiterin für das Erkunden kleiner und kleinster Strassen, welche nicht immer befestigt sind.
Die Crosser brachten noch etwas besonderes. Den Geruch von verbranntem Zweitakt-Öl.
Für die Nase muss jetzt eine luftgekühlte RD herhalten. Die kleine yamaha ist optisch nicht perfekt. Die lackierten Flächen gleichen der einer Orange, der Glanz der Speichen ist weitgehend verblasst und die Schutzbleche haben Beulen. Fahren muss sie. Und das macht sie super. Technisch im Topzustand, wird die 250iger nach Lust und Laune bewegt. Bei schönem Wetter auch mal im Winter. Irgendwie gefällt sie mit ihrem Charme dann doch jedem. Ausserdem hat früher sowieso jeder genau so eine besessen. Die Rakete aus der guten alten Zeit, giftig wie Sau, kaum fahrbar mit dieser Leistung. Schön anzuschauen wird dann, mit leuchtenden Augen, geschmeichelt. Egal ob an der Tanke, oder beim Treffen.

An manchen Tagen frage ich mich, wie es denn weitergehen soll. Mit knapp 50 Lenzen ändern sich die Prioritäten. Die Sammlung erweitern, oder doch lieber reduzieren? Wieviele Stunden möchte ich in der Zukunft in der Werkstatt verbringen? Die Motobi für den Renneinsatz optimieren? Mit dem alten Eglirahmen und einem CB 450 Motor einen komplett neuen Renner aufbauen? Da wäre auch noch der Zanzani Rahmen aus der Italo Edelschmiede.
Offen gesagt, für diese Fragen habe ich keine Antwort. Noch bringt mir das Ganze einen riesen Spass und Ausgleich für den Alltag. Egal, ob auf dem Kringel, Tagestripps, Feierabend- oder Frühaufsteher-Touren und die Bastelei sowieso.
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